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Zoonosen

Lyme-Borreliose

Was ist Lyme-Borreliose?

Die Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die von vier eng miteinander verwandten, mikroaerophilen Spirochäten der Familie Spirochaetaceae verursacht wird: Borrelia burgdorferi sensu stricto, B. garinii, B. afzelii und .

Wo tritt die Krankheit auf?

Die Lyme-Borreliose tritt in Europa, Australien, China, Japan, Russland, Teilen der USA und Kanada auf. Zecken der Gattung Ixodes (gemeiner Holzbock), die Vektoren der Lyme-Borreliose, findet man in gemäßigten Klimazonen in Gebieten mit hoher relativer Luftfeuchtigkeit in Bodennähe.

Wie wird die Krankheit übertragen und verbreitet?

B. burgdorferi wird von dreiwirtigen Zecken der Gattung Ixodes übertragen. Die Inzidenz der Erkrankung ist saisonal und hängt vom Lebenszyklus des Vektors ab. Andere Insekten, wie Fliegen, Stechmücken und Flöhe, könnten ebenfalls an der Übertragung beteiligt sein. Haustiere und Menschen infizieren sich, wenn sie von infizierten Zecken gebissen werden. Damit es zu einer Infektion kommt, muss die Zecke mindestens 24 Stunden an ihrem Wirt sitzen.

Wie groß ist das Risiko für die öffentliche Gesundheit, das von dieser Krankheit ausgeht?

Lyme-Borreliose kann zwar von allen Entwicklungsstadien der Zecke übertragen werden, Menschen infizieren sich jedoch in der Regel durch die Bisse der Nymphen, die sehr klein sind und leicht übersehen werden können. Die Larven der Zecken sind nur selten mit B. burgdorferi infiziert, bevor sie mit dem Saugen von Blut beginnen, und adulte Zecken werden meist innerhalb weniger Stunden bemerkt und entfernt.

Beim Menschen treten sowohl symptomatische als auch asymptomatische Infektionen auf. Das erste Symptom beim Menschen ist eine charakteristische Veränderung der Haut, die so genannte „Wanderröte“ (Erythema migrans), ein Fleck oder Knötchen der Haut, der bzw. das sich vergrößert und sich zu einem roten, ringförmigen Ausschlag mit hellem Zentrum entwickelt, dessen Durchmesser sich nach und nach vergrößert. Die Hautveränderung kann mit Unwohlsein, Müdigkeit, Fieber, Kopfschmerzen, einem steifen Nacken, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen oder geschwollenen Lymphknoten einhergehen. An anderen Stellen des Körpers können sekundäre Hautläsionen auftreten.

Im zweiten Stadium, das nach mehreren Wochen oder Monaten eintreten kann, zeigen einige Patienten disseminierte Erkrankungen. Das häufigste Symptom dieses zweiten Stadiums sind periodisch auftretende Schmerzen in einem oder mehreren Gelenken mit und ohne Schwellung; am häufigsten betroffen sind dabei die Gewicht tragenden Gelenke, zum Beispiel das Kniegelenk. Die Arthritis kann chronisch werden und mehrere Jahre lang immer wieder auftreten. Weniger häufig sind Meningoenzephalitis und Neuropathien einschließlich kranieller Neuropathien und Radikuloneuritis.

Nach Monaten oder Jahren gehen einige Patienten in ein drittes, chronisches Stadium über, in dem eine Akrodermatitis chronica atrophicans, neurologische Störungen oder chronische Arthritis auftreten können.

Schwere Erkrankungen sind zwar nicht häufig, kommen jedoch vor.

Welches sind die klinischen Symptome der Erkrankung?

Die Inkubationszeit von natürlichen Infektionen mit Lyme-Borreliose bei Tieren ist nicht bekannt. Bei Hunden, Pferden, Rindern, Katzen und Kaninchen wurde über Fälle von Lyme-Borreliose berichtet. Viele Infektionen scheinen asymptomatisch zu verlaufen. Die Hauptsymptome bei Hunden sind Lahmheit und Arthritis, insbesondere in den Karpal- und Tarsalgelenken. Gleichzeitig können Fieber, Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder Lymphadenitis, insbesondere der Buglymphknoten oder poplitealen Lymphknoten, auftreten. Die klassische Hautläsion, die bei Menschen festgestellt werden kann, das Erythema migrans, tritt bei Hunden nicht auf. In endemischen Gebieten können sich ausbreitende Hautläsionen am Bauch oder anderen vergleichsweise haarlosen Körperregionen auf eine Lyme-Borreliose hinweisen. Obwohl Erhebungen zeigen, dass 5 % bis 36 % aller Katzen seropositiv sind, gibt es keine Veröffentlichungen über Fälle von natürlich auftretenden Erkrankungen. Die häufigsten Symptome bei Pferden, die sich mit B. burgdorferi infiziert haben, sind leichtes Fieber, Steifheit oder Lahmheit mehrerer Gliedmaßen, Hyperästhesie, Muskelschmerzen, Verhaltensänderungen und, selten, geschwollene Gelenke. Bei Rindern waren hohe Borrelientiter im Serum oder der Gelenkflüssigkeit mit Arthritis und Lahmheit verbunden. Rinder scheinen vergleichsweise resistent gegen experimentelle Infektionen zu sein.

Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?

Die Diagnose der Lyme-Borreliose erfolgt in der Regel anhand der klinischen Symptome, der Epidemiologie, dem Ausschluss anderer Erkrankungen, mithilfe von Labordaten und der Reaktion auf Antibiotika. Blutstatus, Blutchemie, Autoimmuntests und Röntgenaufnahmen sind in der Regel unauffällig mit Ausnahme der Ergebnisse, die das betroffene System bzw. die betroffenen Systeme betreffen. Die Serologie ist ein nützliches diagnostisches Hilfsmittel für die klinische Diagnose. Die serologische Diagnose wird durch die lange Inkubationszeit, das Vorhandensein asymptomatischer Infektionen, Kreuzreaktionen mit anderen Spirochäten sowie die mehrmonatige oder mehrjährige Persistenz der Titer erschwert. Eine Isolation von B. burgdorferi ist möglich, kann jedoch schwierig sein. Das Bakterium kann aus den Gelenken, dem periartikulären Gewebe, dem Liquor, den Lymphknoten oder der Haut isoliert werden.

Wie sehen Vorbeugung und Bekämpfung der Krankheit aus?

Bei Hunden mit Gelenkerkrankungen führt die Behandlung mit Penicillinen oder Tetracyclinen in der Regel zu einer raschen klinischen Reaktion. Bei einer signifikanten Anzahl von Tieren kommt es jedoch zu einer nicht vollständigen oder nur kurzzeitigen Besserung des Zustandes. Unter Umständen ist auch eine symptomatische Behandlung des betroffenen Organsystems erforderlich.

Zur Vorbeugung vor Zeckenbissen können Akarizide eingesetzt werden. Die Tiere sollten außerdem häufig auf Zecken untersucht werden, die so früh wie möglich entfernt werden sollten. Für Hunde steht ein Impfstoff aus inaktivierten Ganzzellen und eine rekombinante OsP-A-Vakzine, die direkt auf ein Oberflächenprotein wirkt, zur Verfügung. In freier Wildbahn wurden mit Permethrin behandelte Wattebäusche eingesetzt, um die Zeckenpopulationen in Nagetierreservoirs zu reduzieren – Mäuse verwenden die Wattebäusche als Material für den Nestbau. Ebenfalls erprobt wurden mit Fipronil behandelte Köderboxen für Nagetiere und mit Amitraz getränkte Scheuerpfähle für Hirsche.